Alles wird anders


Gedanken über den Wiedereinstieg in den Schulalltag…

Ich war lange gedanklich blockiert und fand keinen Zugang zu den Worten, mit denen ich mich nun seit langem wieder einmal an euch wende. Auch heute fällt es mir nicht leicht die richtigen Worte zu finden.

Bevor ich euch weiter unten meine Ideen für den ersten Schultag nach der Schließung mitteile, möchte ich einige persönliche Gedanken mit euch teilen.

Ich habe in letzter Zeit oft über meine Rolle als Pädagogin nachgedacht. Gerade durch das wochenlang anhaltende „distance learning“ wurde mir bewusst, dass meine Präsenz im Klassenraum nicht nur das Klima in der Klasse prägt und bestimmt, sondern dass auch die Kinder durch meine Anwesenheit Kraft und Motivation schöpfen für den Lernstoff, den wir im Laufe eines Schultages absolvieren.

Mir wurde ebenso bewusst, dass mich Schultage am glücklichsten machen, an denen ich besondere Begegnungen mit SchülerInnen habe. Wenn ich merke, dass sich Kinder von mir wahrgenommen fühlen, dass sie ihr Herz öffnen, dass sie sich wohl fühlen, dass sie auf mich zu gehen, dass sie mich und uns anteilnehmen lassen an ihren Erfolgen, ihren Stärken, ihren Schwächen, dass sie die von mir vorgelebte Achtsamkeit im Umgang mit anderen weitertragen und wir schöne Stunden miteinander verbringen. Oft wundert es mich und die Kinder, wenn ein Tag zu Ende ist und wir so vieles geschafft haben, ohne dabei Anstrengung zu empfinden… Und so ist das Unterrichten seit vielen Jahren für mich ein spannender Drahtseilakt zwischen intensiven Begegnungen, Vermittlung sozialer Grundkompetenzen und Lerninhalten. Wobei der Spaß am Lernen hier auch für mich im Vordergrund steht.

Ich möchte dazu erwähnen, dass wir viele Arbeitsphasen haben, in denen die Kinder an Wochenplänen oder frei arbeiten, paarweise oder in Kleingruppen – auch mit viel abwechslungsreichem Material, was dem Lernen natürlich einen sehr spielerischen Charakter verleiht, ohne dabei die Lernziele aus den Augen zu verlieren.

Nun fällt dies alles weg – so wie auch bei euch – und ich muss sagen, es war für mich eine große Herausforderung, die Kinder nun von der Ferne mit Lernstoff zu versorgen und dabei selbst nicht die Freude zu verlieren…. Wie muss es da nur den Kindern gehen??????

Nach ein paar Distanz-Begegnungen mit Kindern meiner Klasse las ich aus den sehnsüchtigen und traurigen Blicken eines ganz besonders: einen traurigen wortlosen Hilferuf: Ich will wieder zu dir!!!

Das mag jetzt für manche vielleicht übertrieben und pathetisch klingen. Ich gehe aber davon aus, dass einige von euch ähnliche Erlebnisse hatten. Mir wurde in den letzten Wochen auch durch etliche Telefonate mit Eltern und Kindern meiner Klasse bewusst, wie intensiv die Bindung zu den Kindern mittlerweile geworden ist. So vermissen die Kinder uns Lehrerinnen mehr als wir glauben, weil sie durch unseren liebevollen und wertschätzenden Umgang erst eine Bereitschaft bzw. eine noch größere Bereitschaft fürs Lernen entwickeln. Viele Kinder lernen auch einfach für die Frau Lehrerin, weil sie sie gern haben. Ich kann mich noch gut an meine eigene Volksschulzeit erinnern – Ich schrieb extra schön, um meinem Herrn Lehrer (Er war so cool und ich liebte ihn!) eine Freude zu machen. Natürlich ist die Dynamik der Gruppe, das Zusammensein mit den Freunden, Freundinnen und Gleichaltrigen ein ebenso unbezahlbarer Aspekt des Lernorts Schule.

Nun werde ich mal laut darüber nachdenken, was uns als nächstes bevorsteht:

Kinder betreten nach vielen Wochen in geteilten Gruppen wieder die Schule. Sie tragen einen Mund-Nasenschutz, den sie erst beim Betreten des Klassenraumes abnehmen dürfen. Ich hoffe in der Klasse auf sie warten zu dürfen, damit ich den Mundschutz beim Wiedersehen nicht tragen muss. Als erstes muss nun jedes Kind zum Waschbecken um sich die Hände zu waschen oder zu desinfizieren, da wir kein warmes Wasser haben. Viele von den Kindern begrüßen mich mit einer Umarmung. Dies wird nicht möglich sein und es fällt mir schwer, mich auf diese erste Begegnung einzustimmen. Es wird anstrengend für mich werden. Emotional anstrengend, da es mir generell schwer fällt, nicht authentisch zu sein, meine Gefühle zu verbergen und so zu tun, als ob alles passen würde, wenn´s eben nicht so ist. Ich kann mir vorstellen, dass es manchen von euch ähnlich geht.

Vielleicht geht es euch ja genauso und ich kann euch unterstützen, indem ich euch hier mein Grundgerüst und meine Gedanken zum Tag des Wiedersehens anbiete:

Ich werde vor dem Eintreffen der Kinder die Tische im vorgeschriebenen Abstand in der Klasse verteilen und mit den entsprechenden Namenskärtchen der Kinder kennzeichnen, damit sie ihren Platz schnell selber finden können. Hinten in der Klasse werde ich kleine Teppiche im Kreis auflegen und für den entsprechenden Abstand dazwischen sorgen. Unser erster Schultag wird mit Oups im Kreis beginnen. Ich werde mit den Kindern zur Begrüßung das Lied „Hallo Oups“ singen das kennen sie schon auswendig und das wird uns helfen, beim Gewohnten anzuknüpfen. Solltet ihr auch ein Klassenlied haben, könnte das natürlich auch gut passen. Anschließend werden wir natürlich die Hygienevorschriften besprechen, aber danach nehme ich mir Zeit zum Austausch. Die Kinder bekommen Gelegenheit über das Erlebte zu sprechen.

Natürlich wird sich auch Oups zu Wort melden und sich vor allem bei den Kindern erkundigen, wie es ihnen so in den letzten Wochen erging und geht. Er wird uns auch erzählen, wie das auf dem Planeten des Herzens so ist, wenn man, umeinander zu helfen Abstand halten muss.

Seine Oups-Botschaft:

Was wir jetzt füreinander tun können, ist Rücksicht aufeinander zu nehmen – durch ausreichend Sicherheitsabstand.
Und weil wir Abstand halten müssen, ist es umso wichtiger, einander ganz fest mit den Herzen zu verbinden.

Wär es nicht eine nette Idee, allen Kindern ein Herz auf die Innenseite der Handfläche zu malen? Wenn uns jemand zu nahe kommt, zeigen wir ihm ein liebevolles Stopp….

Schön fände ich auch ein gemeinsam erarbeitets Plakat mit den wichtigsten Abstands- und Hygieneregeln. In die Mitte passt hier auch wieder gut ein Herz oder folgendes Bild:

Es wird sich zeigen, wie schnell die Kinder bereit sind, wieder in den Lernalltag einzusteigen. Ich denke, es ist wichtig, dass man eine Reihe von Spielideen in Reserve hat, die auch gut auf Distanz funktionieren. Je größer das Repertoire ist, desto leichter wird es in den nächsten Wochen sein, den Schultag spielerisch aufzulockern ohne ständig die Kinder zu mehr Abstand ermahnen zu müssen!

In diesem Sinne wünsche ich euch einen guten Wiedereinstieg und freue mich über eure Anregungen, Kommentare, Tipps, Ideen, ….

Alles Liebe

Margret Stöckler

6 Kommentare

Kommentieren
  1. 1
    Birgit Grieshofer-Pilz

    Mein Kind hat die beste Lehrerin, die wir nur haben können. Ich bin so froh und dankbar darüber, dass du dir soviele Gedanken machst und es ihnen so gut und leicht wie möglich machst. Vieken Dank dafür

    • 2
      Margret Stöckler

      Liebe Birgit, danke für deine Worte! Ich freue mich schon auf die Kinder und bin froh, wenn alles vorbei ist!

  2. 3
    Daniela

    Der Text spricht mir aus der Seele!!
    Wir dürfen nicht singen …. das finde ich so schlimm!
    Ich nehme Oups jetzt neu mit in meine Klasse … als Verstärkung! Viele Grüße und alles Gute!! Daniela

    • 4
      Margret Stöckler

      Liebe Daniela, es tut gut, zu wissen, dass es nicht nur mir so geht. Schön, dass dir Oups in Zukunft helfen wird. Er tut uns allen richtig gut! <3 Euch auch alles Gute!

  3. 5
    Meindl Gerlinde

    Schöne Gedanken! Mir geht es ähnlich und ich freue mich auf die Schüler und Schülerinnen. Singen werde ich sehr vermissen, weil es nicht gestattet ist…. vielleicht trommeln? Gutes Gelingen! Gerlinde

    • 6
      Margret Stöckler

      Das mit dem Singen ist für mich auch sehr schlimm…. Wir werden viele Rhythmusspiele machen… was die Gesamtsituation betrifft bin ich immer noch unglücklich und versuche das Beste daraus zu machen. Euch alles Gute!

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