Oups und sein Angststaubsauger


Während ich diesen Beitrag schreibe, sitze ich im Krankenhauszimmer meines Sohnes, der gestern eine Operation tapfer über sich hat ergehen lassen. Mein großes Thema dabei war als Mutter natürlich Angst. Angst, ob alles gut gehen würde, Angst vor seinen Schmerzen, Angst, dass er aus seiner Narkose nicht mehr aufwachen würde, Angst vor allen möglichen Komplikationen… So saß ich gestern ziemlich angespannt im Zug und im Gepäck hatte ich nicht nur alles, was ich versorgungsmäßig für die nächsten beiden Tage brauchen würde, sondern natürlich auch meinen Laptop und die Herzensübungen, da ich ich für euch einen neuen Blogeintrag geplant hatte…. Tja, und dann fiel mir im Zug bei der Anreise in meiner eigenen Not der Angststaubsauger von Oups ein. Wär das schön, wenn mir jemand kurz meine Angst absaugen würde… und bei diesem Gedanken war ich schon mittendrin in der Herzensübung. Und es half!!!! 🙂

 

In meiner Unterrichtspraxis hole ich diese Karte immer dann hervor, wenn Kinder emotional in Not sind. Gemeinsam lesen wir die Geschichte auf der Rückseite der Karte. Nun wissen die Kinder, wie der Staubsauger funktioniert und dass er sogar Geräusche macht! Die Karte lässt sich natürlich passend zu jedem Gefühl abändern. Oups tauscht dann ganz einfach das Rohr aus! 🙂 So habe ich sie auch des öfteren auch schon zum Thema Wut ausgepackt. Das Wunderbare an diesen Herzensübungen ist, dass diese Rituale so schnell Bestandteil des Alltags werden, weil die Kinder sie als “Werkzeuge” sofort annehmen und ohne es zu merken, erlernen sie vielfältige Wege mit unangenehmen Emotionen umzugehen. Das Erlernen dieser Strategien gemeinsam mit Oups zu unterstützen ist für mich einer der kostbarsten Bereiche meiner Arbeit in der Herzensbildung.

In meiner letzten Oups-Klasse forderten die Kinder diese Karte oft für einen ihrer Mitschüler ein – nämlich dann, wenn dieser – nennen wir ihn Tim – wieder einmal einen nicht zu bändigenden Wutanfall hatte. Wir hatten mit Tim ausgemacht, dass sein bester Freund die Genehmigung hatte, im Ernstfall diese Übung mit (und an) ihm durchzuführen. Jedes andere Kind hätte ihn durch diese “Einmischung” noch wütender gemacht. Dies hatten wir bereits gemeinsam erfahren dürfen. 😉

Sobald jemand merkte, dass Tim ausflippen würde, holten die Kinder seinen besten Freund, dieser schnappte sich unseren Oups und bat bei Tim um “Erlaubnis”: ,,Darf ich dir deine Wut absaugen?” Ich bin bei solchen Interventionen natürlich anfangs immer dabei, doch in einer Gruppe von Kindern, die einige Jahre mit Oups verbringen, verselbstständigen sich diese Rituale zusehends mehr und mehr. Da konnte es dann durchaus passieren, dass ich nach der Pause zurück in die Klasse kam und beiläufig von den Kindern erfuhr: ,,Du, der Max hat beim Tim grad den Wutstaubsauger gemacht.” Und bei einem kurzen Blick zu Tim  erkenne ich in seinen Augen ein “Ja, es geht eh schon wieder.” und ein klitzklitzkleines Lächeln extra für mich huscht über sein Gesicht. Ist das nicht unglaublich? Manchmal nehme ich staunend wahr, dass die Kinder emotional teilweise kompetenter sind als viele Erwachsene. Sie entwickeln gemeinsam mit Oups eine unglaubliche Empathiefähigkeit. Und so anstrengend es auch für die MitschülerInnen sein mag, aggressive Ausbrüche mancher Kinder zu ertragen, sie lernen so unglaublich viel für ihr Leben…. 🙂

Wenn du Lust bekommen hast, auch mit den Herzensübungen zu arbeiten, dann findest du das Kartenset hier im online-shop.

Übrigens kann ich euch diese Rituale auch wärmstens für zu Hause empfehlen. 🙂 Und während ich dies hier für euch niederschreibe, nehme ich mir ganz fest vor, den Angststaubsauger noch eine Weile in greifbarer Nähe zu halten – ganz für mich allein! 🙂 Ich freue mich auf eure Kommentare und Erfahrungsberichte!

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